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Automatisierungssystem für ein Ammoniaksynthese-Aggregat im Kemerover Stickstoff-Düngerwerk KOAO «AZOT»

Bestimmungszweck
Die Produktion von flüssigem Ammoniak, eines wichtigen Rohstoffs in der chemischen Industrie, ist ein technologisch komplizierter, energieintensiver und potenziell gefÄhrlicher Prozeß. In dem Aggregat kommen Hochdruckdampf bis 100 bar, Naturgas und Wasserstoff zum Einsatz und treten Temperaturen bis  8000C auf. Außerdem stellt Ammoniak eine hochtoxische und explosionsgefÄhrliche Verbindung dar.
Von unseren FachkrÄften wurde das Steuersystem für ein Ammoniaksynthese-Aggregat modernisiert.
Das neue System mit Simatic- Prozessoren wurde in den Jahren 1997/1998 projektiert und in Betrieb gesetzt. Die Fachleute des Auftraggebers wurden zur Inbetriebnahme und Einstellung der Anlage herangezogen.




Struktur des Steuersystems
Das Ammoniak-Aggregat АМ-70 mit einer Leistung von ca. 50 t/h flüssigen Ammoniakes nimmt eine FlÄche von ca. 5000 m2 ein. Um den kontinuierlichen technologischen Prozeß zu überwachen, werden ca. tausend analoge und 800 diskrete Geber eingesetzt. Als Stellorgane werden Regelventile mit pneumatischem oder elektrischem Antrieb verwendet, insgesamt ca. 300 Stück. Für die Regelung von Prozeßvariablen kommen ca. 130 lokale Regler zum Einsatz.
Unter Berücksichtigung der technischen Besonderheiten und der Betriebserfahrung mit dem vorhergehenden System wurde ein hierarchisches System in drei Ebenen konzipiert.

Die untere Ebene wurde unter Verwendung von vier funktionell unabhÄngigen Automatisierungssystemen realisiert. Drei davon sind für die Steuerung des technologischen Prozesses bestimmt. Das vierte, ein autonomes System, ist für den Havarieschutz zustÄndig.
Unter Berücksichtigung der hohen Forderungen an die ZuverlÄssigkeit werden als Steuereinheiten die redundanten, hochverfügbaren Zentralprozessoren der Simatic S5-155H verwendet.
Alle EingÄnge und AusgÄnge des Havarieschutzsystems sind dabei redundant ausgeführt. Was die Prozeßsteuerung betrifft, so sind nur die analogen und diskreten EingÄnge für besonderes wichtige Parameter redundant.

Die mittlere Ebene wurde mit dem System COROS LS-B-System realisiert und besteht aus drei Operator-ArbeitsplÄtzen und einem Arbeitsplatz für den Schichtleiter. Jeder Arbeitsplatz ist mit zwei Bedien-Stationen OSB-57 und einem Printer ausgestattet.

Charakteristische Daten der Bedienstation:
Prozessor - Pentium -200MMX;
Arbeitsspeicher - 32 Mb;
Harddisk - 2.1 Gb;
Betriebssystem - Windows-95;

Software – Coros LS-B/Win 2.21

Die Stationen und Automatisierungssyteme kommunizieren miteinander über den Bus SINEC H1.

Die obene Ebene des Steuersystems wird für die Lösung ökonomischer Aufgaben, Erfassung statischer Werte und Archivierung sowie die Einspeisung von Information in das betriebliche Datennetz bestimmt. Im Server ist eine Software installiert, die unter Verwendung des DDE-Netzprotokolls Parameter von der Schichtleiter-Station übernimmt, das Archiv führt und ökonomische Kennwerte berechnet.

Datenaustausch

INEC H1 ist ein redundanter Bus. In jedem Automatisierungssystem sind zwei СР1430 eingebaut, die jeweils an verschiedene Segmente des SINEC H1 angeschlossen sind. Die redundanten Bedienstationen sind ebenfalls an verschiedene Bus-Segmente angeschlossen. Bei Ausfall eines der beiden СР1430 versagt auch nur eine der beiden Stationen des Arbeitsplatzes, so daß das Prozeßleitsystem wÄhrend des Austausches des defekten Zentralprozessors steuerbar bleibt.

Havarieschutz

Eine wichtige Komponente, die den sicheren Betrieb des Aggregates gewÄhrleistet, ist der Havarieschutz, der entsprechend den Betriebsvorschriften für die Überwachung der Prozeß-Parameter eingebaut ist. Software und Hardware sind so konzipiert, daß das Aggregat im Havariefall gefahrlos in den Stillstand versetzt wird. Alle AktivitÄten des Havarieschutzsystems und ihre Ursachen, einschließlich Operatorbefehle, werden in einem Meldeprotokoll archiviert

Regelsystem
Für die Regelung technologischer Parameter werden über hundert PID-Regler eingesetzt. Diese Regler verwenden das Softwarepaket «Modulare PID – und FUZZU - Regelung». Um den Bedienkomfort bei der Inbetriebnahme zu verbessern, wurde die Funktion der kontinuierlichen Sollwert-Änderung mit vorgegebener Geschwindigkeit sowie der stoßfreien Umschaltung von Fernbedienung auf Automatik und umgekehrt realisiert.

Eigendiagnose

Für die rechtzeitige Erkennung von ModulausfÄllen enthÄlt das Steuersystem ein leistungsfÄhiges Eigendiagnose-System, das die Möglichkeiten des hochverfügbaren Zentralprozessors der Simatic S5-155H nutzt. Der Ausfall wird dabei sowohl in Form einer Textmitteilung als auch eines Signals in den graphischen Darstellungen angezeigt. Um den genauen Platz des defekten Moduls im Schrank identifizieren zu können, erfolgt die Anzeige in unterschiedlichen Detaillierungsebenen.



Protokollierung und Archivierung

Eine Besonderheit des Steuersystems besteht in der Forderung, eine große Menge analoger Parameter über einen lÄngeren Zeitraum (3 Monate) zu archivieren. Um die Bedien-Stationen möglichst gleichmÄßig auszulasten und die ZuverlÄssigkeit der Datenspeicherung zu erhöhen, wurden verteilte Daten-Archive organisiert. Zu diesem Zweck wurde in jeder Bedien-Station ein eigenes Archiv für ca. 300 Parameter mit einem Aktualisierungs-Zyklus von 1 min. und einer Archivierungs-Dauer von 3 Monaten angelegt.

Auf dem Arbeitsplatz des Schichtleiters wurde ein Archiv mit einer zyklischen Abfrage von 200 Parametern, einem Aktualisierungs-Zyklus von 2 s und einer Archivierungs-Dauer von 48 h für die Analyse von Havariesituationen eingerichtet. 30 Minuten nachdem der Havarieschutz angesprochen hat, wird der Inhalt des Archivs automatisch in den DBF - File exportiert. Dieser File wird daraufhin im Server gespeichert und für die Analyse der Havarieursachen benutzt.

In einer der Stationen jedes Arbeitsplatzes wurden zusÄtzlich zyklische Melde-Archive angelegt. In diese Archive laufen die Mitteilungen ein, die sich auf den jeweiligen Arbeitsplatz beziehen.

Datenzugriff
Das System teilt die Daten in AbhÄngigkeit von der Zugriffsberechtigung des Dienstpersonals in verschiedene Klassen ein, die mit Passwörtern geschützt sind: Personen mit minimaler Zugriffsberechtigung, Bedienungspersonal, Service- und ingenieurtechnisches Personal, Systemprogrammierer. Die Ausgabe von Steuerbefehlen ist entsprechend der Zugriffsberechtigung erlaubt oder verboten.
Für die Personalerfassung wird ein Registriersystem verwendet. Vor Arbeitsbeginn gibt der Operator seinen Namen und sein Passwort ein. Ist die Eingabe korrekt, wird ein entsprechender Zugriff auf die Daten freigeschaltet. Im weiteren werden alle wichtigen Steuerbefehle im Melde-Archiv unter Angabe des Familiennamens des Operators gespeichert. Dadurch wird sein Verantwortungsgefühl gestÄrkt und die Analyse der Havariesituationen erleichtert.
Das beschriebene Steuersystem ist bereits in Betrieb genommen worden.


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